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Geschichten und Gedichte aus der Lahnau

Rosemarie Thomé, geb. Drescher auf dem Schoß ihres Opas

Die “Binz-Kathrin” Teil 2

Die Enkelin Frau Rosemarie Thomé, geb. Drescher, berichtet Berthold Burzel aus ihrer Kindheit mit ihrer Oma.
Berthold Burzel hat es aufgeschrieben:
Bevor ich meine Geschichte erzähle, möchte ich mich bei der Heimatkundlichen Arbeitsgemeinschaft und Frau Karger bedanken, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, im Seniorenjournal der Gemeinde Lahnau über Personen zu berichten, die zu Lebzeiten auf ihre Art Heimatgeschichte geschrieben haben.
Ich freue mich, dass ich mit alten Fotos und anderen Raritäten aus unserer Familiengeschichte dazu beitragen kann, dass die Leserinnen und Leser des Journals meine Großmutter, die Binz-Kathrin, hier und da auch von einer anderen Seite kennen lernen. Sicherlich wird man dann auch mehr Verständnis für ihre herbe Art aufbringen.
Aber nun zu meiner Geschichte:

Vorrüber ist das Kinderspiel, es naht der Ernst des Lebens.
Wirkliche Wärme und Geborgenheit fand ich als Kind bei meiner Oma nicht, dafür aber bei meinem Opa, auf seinem Schoß saß ich gerne, hier fühlte ich mich wohl. Ihm flüsterte ich auch in´s Ohr, dass ich zum Schulanfang gerne einen Kinderregenschirm hätte. “Läib Keand, wu soll ach so e Schirmche her grie, owe ich will e mol seh.” Das waren seine Worte. Ich weiß bis heute nicht, wie er es möglich machte und was er dafür hat geben müssen. Eines Tages rief er mich zu sich und zeigte mir das Schirmchen. Mein Traum war in Erfüllung gegangen. Ich spannte es auf undhielt es gegen das Licht, da glitzerte die Bespannung in Regenbogenfarben. Als ich Opa umarmte, lief ihm eine Träne über die Wange.
Den nächsten Morgen konnte ich kaum erwarten, es war ein Samstag oder Sonntag, denn mein Vater war auch zu Hause. Ich spannte mein Schirmchen auf, sang, lachte und tanzte dazu. Meine Eltern, der jüngere Bruder und Opa freuten sich mit mir. Da ging die Tür auf und Oma, die sich bei der Stallarbeit etwas verspätet hatte, kam in die Stube. Mit einem Blick hatte sie die Situation erfaßt, sie kam auf mich zu, nahm mir mein Schirmchen aus der Hand, faltete es zusammen und legte es ganz oben auf den Schrank. Dabei sagte sie die Worte: “Vorrüber ist das Kinderspiel, es naht der Ernst des Lebens.” Ich sah meinem Schirmchen nach wie einem davonfliegenden Luftballon. Alle sahen betreten nach unten. Wiederspruch war zwecklos und mein Weinen half auch nichts. - So woar se erwe, die Binz-Kathrin. - Heute weiß ich, Wärme, Liebe und Geborgenheit kann man im Leben nur weitergeben, wenn man sie als Kind selbst erfahren hat. Meine Oma hat das offensichtlich nie erlebt. Den Ernst des Lebens habe ich noch früh genug erfahren, darüber wird später berichtet werden.
Autor: Berthold Burzel

Broschüre Die Binz-Kathrin

Auszug aus der Broschüre Dorfgeschichen - Die “Binz-Kathrin”, erzählt von Berthold Burzel.
Die Broschüre kann im Museum erworben werden.

GEMEINDEGESCHICHTE

DAS MUSEUM

DER VEREIN

Stand vom: 04.02.2010

Heimatmuseum Waldgirmes - Hedwig Schmidt Haus - Friedenstraße 20 - 35633 Lahnau-Waldgirmes Telefon: 06441 - 64522
Öffnungszeiten: Mittwochs und jeden ersten Sonntag im Monat von 14.00 bis 16.00 Uhr sowie nach Vereinbarung.
Von November - März geschlossen