Forum Waldgirmes

Der römische Stützpunkt bei Waldgirmes

Bei Grabungen nahe Waldgirmes (Mittelhessen) glaubte man zunächst, ein weiteres Militärlager entdeckt zu haben. In der Grabungssaison 1997/98 kamen jedoch die Steinfundamente eines 2200 Quadratmeter großen Zentralgebäudes ans Licht, das einem umbauten Forum glich, wie man es aus Römerstädten kennt. Im Innern stand ein vergoldetes Reiterstandbild aus Bronze, das vermutlich Kaiser Augustus darstellt. Offenbar handelte es sich um eine frühe römische Stadtgründung, die als Verwaltungszentrum dienen sollte. Nach der Niederlage des Varus im Jahr 9 n. Chr. im Teutoburger Wald jedoch gaben die Römer den Plan, Germanien bis zur Elbe zu erobern, auf. Das war das Aus für die Stadt bei Waldgirmes. Die gesamte Anlage, so ergaben die Grabungen, wurde niedergebrannt.

Das Forum, Gemälde von Christoph Haußner, München Bronzenes Reiterstandbild

Die Stadtmauer
Am westlichen Ostrand des heutigen Waldgirmes, in der Flur “Am Goldenen Acker”, stand vor 2000 Jahren die älteste zivile Stadt Germaniens (Germanien = Deutschland nördlich der Alpen und zwischen Rhein und Elbe). Gegen äußere Feinde war diese durch eine 3,2 Meter breite und nicht ganz so hohe Stadtmauer geschützt. Diese Umwehrung bestand aus Holz und Erde, war 1040 Meter lang und umfasste das 7,7 Hektar messende Areal des Stützpunktes vollständig.
Ca. 2300 Eichenstämme hatte man für die Pfosten der Mauer benötigt. Die Stämme waren zwischen 20 und 30 cm quadratisch behauen und standen im Abstand von 0,90 Metern - das entspricht drei römischen Fuß. Die Länge der Pfosten über der Erde lag ca. bei 2,50 Metern. Erheblich mehr Bäume dürften für die Holzbohlen der beidseitigen Wände und der inneren Verzimmerung der Mauer benötigt worden sein. Zwei Spitzgräben mit einer Tiefe und Breite von jeweils ca. zwei Metern waren der Mauer vorgelagert.
Im Osten und Westen der Mauer wurden Tore ergraben. Auf der Südseite wird ein weiteres Tor vermutet. Die Toranlagen waren 11,80 Meter breit, die Durchfahrt lag zwischen 3,70 und 4 Metern. Im Norden befand sich in der Mitte der Mauer ein Doppelturm, der ebenfalls ausgegraben ist.

Das westliche Tor als Modell im M 1:32

Keramikfunde lassen auf die Bewohner unserer Heimat schließen
Die im römischen Stützpunkt gefundenen Tonscherben haben uns die Kelten, Römer und Germanen aus verschiedenen Zeiten hinterlassen. Keltische Funde in Form von Urnenresten aus der Zeit um 300 vor Christi Geburt, sowie germanische Keramik aus der Zeit um 100 n. Chr., gleichfals in Form von Urnenresten.
Als Krone der römischen Keramiken gilt das fein glasierte Tafelgeschirr, die Terra Sigillata. Herstellerstempel auf dem Geschirr nennen Namen italienischer Töpfer aus Arezzo, Pisa, Puteoli und dem französischen Lugdunum (Lyon).
Bei dem größeren Teil der Keramikfunde handelt es sich um die so genannte “Belgische Ware”. Hierbei können wir auf Grund der Analysen unterscheiden zwischen denen, die in Waldgirmes hergestellt und in den beiden festgestellten Töpferöfen gebrannt wurden -rötliche Färbung durch eisenhaltigen Ton - und solchen, die größtenteils aus der Champagne in Frankreich zugeliefert wurden.
Terra Sigillata und “Belgische Ware”, ca. 85% der gefundenen Scherben, wurden auf der Töpferscheibe hergestellt . Die 15% der germanischen Tonfragmente stammen von handgemachten Gefäßen. Dabei handelt es sich um sehr grobe Scherben, die mit Kammstrich und Schlickerbewurf verziert sind.
Die Keramikfunde in den Lahnauer Gemarkungen reichen von den Schnurkeramikern (2800 bis 2500 v. Chr.) über Kelten, Römer, Germanen, Franken und Karolinger bis in unsere Zeit.

Keramik

Weitere Informationen in der Halle im Museumshof
Dort finden Sie:
- Auf fünf Informationstafeln die Geschichte und die Ergebnisse der 12-jährigen archäologischen Grabungen im römischen Stützpunkt Waldgirmes;
- Modelle der ergrabenen beiden Eingangstore im Osten und Westen der Lagerumwehrung, sowie des Doppelturmes im Norden;
- zwei 186 und 381 kg schwere Sandsteinquader des Postaments der Reiterstatue des Kaisers Augustus, die nach petrographischen Feststellungen vor 2000 Jahren von Lothringen in Ostfrankreich über Mosel und Lahn nach Waldgirmes kamen;
- drei Lackprofile von Holzpfosten, wie diese sich bis heute in der Erde abzeichnen;
- in Filmen und Fotos können wir über die wissenschaftliche Bedeutung der Entdeckung und den umfangreichen Fundbestand informieren;
- leider haben wir nur eine kleine Ausstellung von Funden, kaum Originale und einige Repliken.

Rundfibel Fibel, Gewandspange Perle mit Apisstier-Darstellung

Der sehr umfangreiche Originalbestand der Funde befindet sich im Besitz des Landesamtes für Denkmalpflege im Schloss Biebrich in Wiesbaden. Bereits 1999 wurde uns vom Leiter dieses Amtes schriftlich zugesagt, unserem Museum einen Querschnitt der Funde zu überlassen. Trotz schriftlicher Erinnerungen, wurde diese Zusage bis heute nicht eingehalten.

Weitere Informationen unter www.roemerforum-lahnau.de

GEMEINDEGESCHICHTE

DAS MUSEUM

DER VEREIN

Stand vom: 04.02.2010

Heimatmuseum Waldgirmes - Hedwig Schmidt Haus - Friedenstraße 20 - 35633 Lahnau-Waldgirmes Telefon: 06441 - 64522
Öffnungszeiten: Mittwochs und jeden ersten Sonntag im Monat von 14.00 bis 16.00 Uhr sowie nach Vereinbarung.
Von November - März geschlossen